Bohrhaken setzen

Bohrhaken setzen

bolting.eu ist DER Experte für´s Einbohren. Deshalb gibt es im Folgenden eine Anleitung für Euch zum Bohrhaken setzen. Sie werden oft auch als „Bolzenanker“ bezeichnet. Deswegen spricht man oft auch von „Bolzenanker setzen“.

Weitere Bezeichnungen für dieses Produkt sind zudem Bolts, Expansionsdübel oder Schwerlastanker.

Die Installation ist an und für sich keine Hexerei. Sofern man einige wichtige Grundregeln beachtet. Einen Bolt setzen ist jedenfalls wesentlich weniger fehleranfällig als einen Klebehaken setzen.

Wenn dir dieser Beitrag gefällt, solltest Du dir auch folgende Anleitungen und wichtige Beiträge durchlesen:

Das Bild zeigt einen Bohrhaken mit montierter Bohrhakenlasche in Nahaufnahme. Man erkennt alle Details der Bauteile die auf einem Felsen liegen. Im Hintergrund weitere Bohrhaken.
Alles dreht sich bei unserem Thema um die Bohrhaken und die Bohrhakenlasche.

Richtige Stahlqualität wählen

Die Empfehlung von bolting.eu für das Bohrhaken setzen bzw. eine nachhaltige Erschließung ist klar. Alle Einbohrmaterialien im Alpenraum sollten aus aus A4 Stahl / AISI 316 Stahl sein. Das betrifft alle Elemente einer Kletterroute. D.h. die Bohrhaken, Bohrhakenlaschen und Umlenker / Kettenstände sowie ggf. Rapidglieder.

Denn diese Stahlqualität entspricht zum einen der UIAA Empfehlung bzw. EN 959 – UIAA123 Bohrhakennorm. Und zum anderen ergibt sich aus der Langlebigkeit dieser Güteklasse die gewünschte Nachhaltigkeit.

Beim Bolts setzen sollte sich sich also bei den Stahlqualitäten auskennen. Wieso, kannst du detailliert in unserem Fachbeitrag „Stahlqualitäten bei Bohrhaken und Klebehaken“ nachlesen.

Beim Einbohren in Meeresnähe gelten andere Material Empfehlungen wie im inneralpinen Raum. Hier müssen verwendet werden:

  • Duplex / PLX Stahl
  • HCR Stahl
  • Titan Einbohrmaterialien

Bohrhaken setzen – auf Bohrer achten!

Gebt zu! Ihr habt beim Thema Bolzenanker setzen sicher nicht an die SDS Bohrer gedacht. Dennoch ist dieses Werkzeug ganz entscheidend.

Dabei sind folgende Dinge wichtig.

Erstens solltet ihr nur Bohrer mit PGM Prüfmarke verwenden. Denn diese garantieren das sogenannte Schneiden-Eckmaß. Oder besser ausgedrückt. Diese Bohrer produzieren garantiert ein rundes Loch. Somit lassen sich die Bolts ohne Beschädigung der Expansionsringe einschlagen.

Zweitens sollte man die Bohrer so kurz wie möglich wählen. Denn bei langen Bohrern beginnt die Akku-Bohrhammer zu rotieren und das Bohrloch wird leicht kegelförmig. Folglich kann ein belasteter Bolt leicht wackeln. Dadurch werden die Laschen gerne locker.

Drittens empfehlen wir hochwertige Produkte wie den Fischer Quattric Bohrer. Denn diese Bohrer haben zwei Schneiden und produzieren somit länger gleichmäßige Löcher. Das merkt man beim Einschlagen der Bolts. Je schwerer sie in das Bohrloch gehen, desto mehr ist der Bohrer abgenützt und gehört getauscht.

Das Bild zeigt einen Arbeitsschritt beim Bohrhaken setzen, das Bohren des Bohrlochs. Auf einem grauem Fels wird ein Bohrer angesetzt, links sieht man den Beginn der Bohrmaschine.
Bohrer ist nicht gleich Bohrer! Achtet auf die PGM Prüfmarke, eine kurze Länge bzw. die Abnützung damit das Bolzenanker setzen leicht pasiert!

Bohrloch immer reinigen

Immer wieder stolpert man über diese falsche Aussage. „Beim Bohrhaken setzen braucht man das Loch nicht reinigen“.

Dem ist einfach nicht so. Und das aus ganz logischen Gründen. Wir erklären diese weiter unten etwas ausführlicher. Deshalb sollte man entweder immer eine Lochbürste bzw. ggf. auch einen Ausbläser mit dabei haben. Mit ihr kann man das meiste Bohrmehl gut heraus bekommen.

„Schlupf“

Je mehr Bohrmehl sich im Bohrloch befindet, desto größer kann der „Schlupf“ sein. D.h. jene Distanz, über welche der Bohrhakenschaft aus dem Loch gleitet bis sich die Expansionsglieder über den Konus geschoben haben.

Das Bild zeigt die Bohrloch Reinigung beim Bohrhaken setzen mit einem Ausbläser. An einer braunen Felswand steckt die putz-Düse im Fels, eine Hand im Bild Vordergrund betätigt die Pumpe.
Ein ordentlich gereinigtes Bohrloch verhindert zwei wichtige Probleme. Zu viel Schlupf und heraus stehende Bolts auf Platten.

Bohrhaken setzen auf Platten

Je flacher ein Felsen ist, desto mehr Bohrmehl bleibt am Grund des Bohrlochs liegen. D.h. bei Platten oder auf horizontalen Ausstiegen, kann sich bis zu 1 cm Bohrstaub befinden.

Folglich kann man hier unliebsame Überraschungen beim Bolzenanker setzen erleben. Oder besser ausgedrückt. Ohne Markierung am Bohrer können Bolts plötzlich doch deutlich weiter heraus stehen als angenommen.

Nur wenn man dann mit einem Bohrloch Ausbläser arbeitet, lässt sich dieser Bohrstaub entfernen.

Das Bild zeigt einen Bohrhaken mit zu langem Gewinde Ausstand. Man sieht eine Bohrhakenlasche mit Rapidglied, aus welcher ein viel zu langes Gewindestück heraussteht. Man erkennt sofort den Installationsfehler.
Drei Möglichkeiten weshalb der Ausstand so lange ist. 1. zu wenig tief gebohrt? Oder 2.) das Bohrloch nicht geputzt und dadurch extremen „Schlupf“ verursacht bzw. 3.) zu viel Bohrmehl im Bohrgrund (2. und 3. wahrscheinlich!).

Bohrhaken setzen – Ablauf

Benötigte Zeit: 5 Minuten

Richtig Bohrhaken setzen

  1. Bohr Untergrund prüfen

    Klopfe mit dem Felshammer den Felsen ab und prüfe diesen auf hohle Stellen. Sie sind durch einen „dumpfen“ Ton leicht erkennbar.

  2. Bohrloch bohren

    Bohre immer 90° zur Felsoberfläche.

    Verwende dabei einen nur SDS Bohrer mit PGM Prüfmarke. Denn dieser garantiert ein rundes Loch. Zum andern verwende einen Bohrer der so kurz wie möglich ist, um „ausgeschlagene“ Löcher zu verhindern. D.h. leicht kegelförmige Löcher.

    Die Bohrloch Tiefe sollte größer als die Bohrhaken Länge sein. So könnt ihr den Bolt später ggf. zur Gänze versenkenDas Bild zeigt eine Grafik zum Thema Bohrhaken setzen. Eine Bohrmaschine wird inklusive Bohrer 90° zur Felsoberfläche gehalten.

  3. Bohrloch reinigen

    Verwende zur Reinigung eine passende Lochbürste sowie ggf. einen Ausbläser.Das Bild zeigt eine Grafik, in welcher ein Bohrloch mit einem Ausbläser gereinigt wird.

  4. Bohrhaken einschlagen

    Montiere vor dem Einschlagen die Bohrhakenlasche auf den Bohrhaken. Dabei sollte die Mutter ganz hinten am Gewinde sein, ohne jedoch drüber zu stehen.

    Wenn sich der Bolt schwer einschlagen lässt, ist wahrscheinlich der Bohrer bereits zu stark abgenutzt. Wechsle in diesem Fall den Bohrer.Das Bild zeigt eine Grafik, in welcher ein Bohrhaken mit Bohrhakenlasche in ein Bohrloch geschlagen wird. Rote Pfeile markieren dabei die betreffenden, bewegten Teile.

  5. Mutter anziehen

    Nach dem Einschlagen müsst ihr die Mutter am Bohrhaken anziehen. Für 10mm Bolts braucht man einen 17er Schraubenschlüssel. Für einen 8mm Haken einen 13er Schraubenschlüssel und für einen 12mm Bolt einen 19er Schraubenschlüssel.

    Beachtet. Jeder Bohrhaken hat einen ganz bestimmten Drehmoment. D.h. eine bestimmte Kraft, mit welcher angezogen werden sollte. Hierfür muss man die Angaben auf der Verpackung bzw. im Technikblatt kennen.
    Das Bild zeigt eine Grafik zum Thema Bohrhaken setzen. Der eingeschlagene Bolzenanker wird mit einem Schraubenschlüssel angezogen. Rote Pfeile markieren die bewegten Teile.

Video Bohrhaken setzen

Im Folgenden zeigen wir Euch zur Ergänzung ein Video zum Thema „Bolzenanker setzen“. Es zeigt die o.a. Schritte quasi im Schnelldurchlauf. Zum einen bekommt man dadurch sicher ein besseres Gefühl für das korrekte Verarbeiten. zum andern sieht man einfach, wie simpel die eigentliche Installation ist.

Den Fixe PLX Bohrhaken sowie die Fixe PLX Bohrhakenlasche sind natürlich bei uns erhältlich.

Bohrhaken setzen – Fehlerquellen

Die eigentliche Installation eines Bolts ist verhältnismäßig einfach. Beim Thema „Bolzenanker setzen“ lauern aber viele Fehlerquellen durch die Verwendung der Karabiner.
Deshalb wollen wir Euch im Folgenden über die häufigsten Fehler informieren.

Querbelastung hakenseitig

Das Bild zeigt einen typischen Fehler beim Einbohren. Der hakenseitige Karabiner liegt auf einer Felskante auf und wird extrem quer belastet.

Ein häufig sichtbarer Fehler beim Thema „Bolts setzen“ ist die hakenseitige Querbelastung von Expressschlingen. D.h. hier liegt der hakenseitige Karabiner irgendwo ungünstig auf und wird quer belastet.

Daher. Erstens immer die Express an die Stelle des geplanten Fixpunktes halten. Zweitens die Express etwas hin und her bewegen. Drittens begutachten ob es zu einer Querbelastung oder möglichen Öffnen des Schnappers kommen kann.

Querbelastung seilseitig

Das selbe Prinzip gilt natürlich auch für den seilseitigen Karabiner eines Express. Wir raten euch hier, sowohl eine kurze als auch lange Express zum Testen zu verwenden. Somit ist sicher gestellt, dass es unabhängig von der Express Länge zu keinen Problemen kommt.

Ausrisskegel beim Bohrhaken setzen beachten

Vielen Erschließern ist dieses Prinzip leider nicht bekannt. Es besagt vereinfacht dargestellt, dass ein Bohrhaken eine große Sprengkraft besitzt. Deshalb sollte sich rund um einen Bohrhaken in 1,5facher Distanz der Setztiefe keine KAnte, kein Riss und auch kein anderer Haken befinden.

Alle Detail zu dem Prinzip findest du in unserem Beitrag: „Was halten Bohrhaken?“

Galvanische Korrosion

Vermischt niemals Bauteile aus verzinktem Stahl und Edelstahl. denn das kreiert galvanische Korrosion. D.h. einfacher ausgedrückt: Rost!

Dieses chemische Phänomen ist eines der größten Probleme beim Bohrhaken setzen und leider weit verbreitet. Bitte nehmt eure Verantwortung als Erschließer wahr und achtet auf entsprechende Vermeidung.

Alle Detailinfos im Artikel „galvanische Korrosion bei Bohrhaken„.

Das Bild zeigt einen Bohrhaken mit massiver galvanischer Korrosion. Auf einem rostigen Bohrhaken hängt eine Edelstahl Bohrhakenlasche. Das gesamte Bauteil liegt offen auf einer grauen Felsplatte.
Galvanische Korrosion bei einem Bohrhaken. Lasche und Mutter waren aus Edelstahl, der Bolt selbst aus verzinktem Stahl.

bolting.eu Academy

Wenn ihr Euch weiter mit dem Thema beschäftigen möchtet, dann ist unsere bolting.eu Academy vielleicht etwas für Euch.

Dort bieten wir erstens Fachvorträge zu vielen interessante Themen. Beispielsweise über eines der Hauptprobleme im Kletterbereich, die galvanische Korrosion bei Bohrhaken. Unsere Vorträge sind ideal für Tagungen, Festivals oder Jahrestreffen alpiner Vereinigungen.

Zweitens bieten wir Workshops zu Schwerpunktthemen. Z.B. Verankerungen bei der Wege Absicherung. Diese ca. 2stündigen Workshops sind perfekt für Schulungen bzw. Fortbildungen. Hier kommt z.B. auch das Thema Bolzenanker setzen vor!

Drittens bieten wir auch mehrtägige Kurse an. In unseren Einbohr Kursen lernt man das Erschließen von Kletterrouten mit Bohrhaken bzw. Klebehaken. Die Kurse gibt es ab 2 1/2 Tagen und finden entweder im Maltatal oder deiner Heimregion statt.

Zudem haben wir auch Einbohrkurse in Griechenland (Kalymnos und Leonidio) in Planung.

Das Bild zeigt eine Szene eines Einbohr Workshop von bolting.eu. Auf einem Tisch liegen vielerlei Einbohr Hardware, im Hintergrund dahinter viele Tische mit Workshop Teilnehmern.
Einer unserer Einbohr Workshops bei der Naturfreunde Wegewarte Tagung in Wien.